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Number One Series | Vol. 2


my prs mccarty Custom

In meiner Zeit als Gitarren-Journalist war ich mehrfach bei PRS in Annapolis/Maryland, gewesen - vor allem zu den Experience Days, eine Art Tag der Offenen Tür - nur dass dieser Tag sich über drei Tage hinzog und ein großes Fest rund um PRS darstellt, bei der viele Konzerte und Begegnungen mit PRS-Endorsern und -Mitarbeitern eine Vielzahl Besucher, PRS-Fans und Händler aus der ganzen Welt, an die Ostküste Amerikas locken. Dadurch, dass ich vor manchmal ein, zwei Tage vor dem eigentlichen Event vor Ort war, konnte ich die Firma PRS auch im normalen Alltag erleben und dabei viel Zeit mit Peter Wolf, dem International Sales Manager der Firma, Joe Knaggs, dem Leiter des Private Stock, und auch Paul Reed Smith selbst verbringen. Unvergessen der Abend, an dem wir - Peter, Paul und ich - in Pauls Küche saßen und uns gegenseitig Songs auf der Akustikgitarre vorspielten…

(Wir alle wissen, dass Peter und Joe später PRS verließen, um Knaggs Guitars zu gründen.)

In einem dieser Jahre - es war 2005 - wollte ich meine langjährige Beziehung zu PRS, zu Paul, Peter und Joe mit dem Kauf einer PRS-Gitarre besiegeln. Überraschend bot man mir an, dass ich mir meine eigene PRS konfigurieren könnte und damit in das Artist-Programm reinrutschen würde. Das war natürlich ein wunderbares Angebot und Herausforderung, die ich sehr gerne angenommen habe. Aber was nehme ich denn nun…?

Custom Features

Da ich kein Fan von großartig gemaserten Decken bin, musste eine der auffälligsten PRS-Domänen bei meiner Gitarre schon mal von vorn herein außen vor bleiben: Ten Tops, AAAAA flamed Maple etc.. Die klassischste aller deckenden Lackierungen ist für mich das Gibson-Gold - also war schnell klar: Meine PRS wird eine Goldtop. Auch weil das PRS-Gold wirklich gut aussieht. Und um beim Thema Goldtop zu bleiben, sollte diese PRS zwei P90s in cremefarbenen Kappen bekommen.

Da mir der Body der Custom-Modelle zu dünn war, entschied ich mich für die etwas stämmigere McCarty. Allerdings sollte das PRS Tremolosystem verbaut werden, was bei einer Serien-McCarty nicht angeboten wird. Gut, dass dies bei meiner Custom Order sehr wohl möglich war.

Dazu dann noch bitte ein Griffbrett-Profil, das damals gar nicht mehr im PRS-Katalog war: Das alte „regular profile“.

Ein großes Anliegen war mir zudem das Griffbrett. Zum einen sollte es aus südamerikanischem Palisander sein, zum anderen nur eine einzige Birds-Einlage am 12. Bund bekommen.

So sah meine Order aus, und genauso wurde diese Gitarre dann auch gebaut - vom PRS Private-Stock Team unter der Ägide von Joe Knaggs.

Meine PRS McCarty Custom. Den Birds- Aufkleber hinter dem Trem habe ich später selbst aufgebracht.
Meine PRS McCarty Custom. Den Birds- Aufkleber hinter dem Trem habe ich später selbst aufgebracht.

Diese einzigartige Gitarre hat alle Eigenschaften, die ein gutes PRS-Instrument auszeichnet - eine perfekte Verarbeitung, herausragende Hardware (Tremolo, Mechaniken), eine tolle Spielbarkeit und eine großartige Optik. Und das in einer Kombination und mit Features, wie es sie im großen PRS-Katalog nicht noch einmal gibt.

Einzig und allein mit den Pickups experimentierte ich jahrelang, denn ab Werk klangen sie mir zu fett, zu breit und irgendwie zu aufdringlich-amerikanisch. Viele andere Pickups habe ich ausprobiert, aber war nie so wirklich zufrieden - bis ich dann irgendwann entschied, wieder die Originale einzubauen und mich damit zu arrangieren. Dieses Arrangement bestand aber dann letztendlich darin, die Gitarre nur noch selten zu spielen. Bis ich dann in diesem Jahr mit meinem Freund Uwe über diese P90s sprach und er auf die Idee kam, einfach mal einen der beiden Magnete, die jeder P90 besitzt, zu entfernen. Gesagt, getan - und was für ein Unterschied! Plötzlich klang meine PRS nach mir - also heller, leichter, wendiger, quirliger. Zwar weniger nach klassischem P90, dafür eher in Richtung FilterTron oder Toaster. Seit dieser Modifikation, die im übrigen kinderleicht geht, spiele ich meine PRS wieder sehr oft - sie ist eine andere Gitarre geworden, sie spricht nun in einer Sprache, die auch ich verstehe.

Mechaniken mit Plastikknöpfen - ein Tipp von David Grissom, um Gewicht zu sparen.
Mechaniken mit Plastikknöpfen - ein Tipp von David Grissom, um Gewicht zu sparen.
Signaturen von Paul Reed Smith und Joe Knaggs auf dem E-Fach-Deckel
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TV Jones Soapbars zum Test - Schwarz auf Gold sieht auch gut aus!
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Der einsame Vogel im 12. Bund - vermutlich einzigartig in der PRS-Welt
Der einsame Vogel im 12. Bund - vermutlich einzigartig in der PRS-Welt
Warum haben alle PRS-USA-Modelle einen schwarzen Tip auf dem Tremolo-Arm?
Warum haben alle PRS-USA-Modelle einen schwarzen Tip auf dem Tremolo-Arm?

Übrigens habe ich bei den Arbeiten mit den verschiedenen Tonabnehmern gesehen, dass mein Name, das Datum der Fertigung und die wichtigsten Features (Trem, Soapbars) in der Ausfräsung des Steg-Pickups hinterlassen wurde. Und ich stelle mir gerade vor, wenn vielleicht in 100 Jahren irgendeiner diese Gitarre aufschraubt, um den von mir kastrierten P90 durch einen richtigen zu ersetzen, er dort meinen Namen entdeckt, Google oder Wikipedia danach befragt und dann eventuell sogar genau diese Story entdeckt, die ich hier gerade schreibe - über meine PRS McCarty Custom und mich. Die mich natürlich nie verlassen wird. 

die features

  • PRS Low Mass I (by Schaller) Mechaniken
  • Mahagoni-Hals
  • Palisander-Griffbrett
  • 1x Birds-Einlage
  • Mahagoni-Korpus, mit Ahorn-Decke
  • 2x PRS P90 Soapbar-Pickups
  • PRS Tremolo

 

 

Spontaneous noodling over a backing track with strange music...for the Facebook group FirstTakeForReal

Für alle Gear-Interessierten (in der Reihenfolge des Auftretens :-)):

- 2005 PRS McCarty Custom

- Word of Mouth Fuzz One

- Vahlbruch Quantum Compressor

- Echoplex Preamp

- Vahlbruch Kaluna

- Vahlbruch OptoTrem

- Vahlbruch SpaceTime Delay

- DigiTech Ventura Modulation

- Vahlbruch Pipeline Reverb

- Bleeding Cowboy AA Nano DI-Box into a Mac


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Kommentare: 1
  • #1

    Dirk (Montag, 14 November 2022 15:24)

    Sehr schöne Gitarre und netter Bericht.